Über den Tellerrand

 
Mind the gap.
Zwischen bekannten und neuen Räumen
Museum für Konkrete Kunst
Ingolstadt
Di bis So 10 bis 17 Uhr
Bis 11. April 2021 
 
Unter dem Titel "Im Märchenreich der Konkreten Kunst" schreibt der Donaukurier v. 07.09.2020, Nr. 207, S. 11:
"... Die Abschiedsveranstaltung ist vor allem bunt, ironisch, überraschend und heiter. Sie zeigt nicht Kunstobjekte, sondern sie verwandelt Räume. Im besten Falle verzaubert sie den Besucher, nimmt ihn mit in eine andere Welt. Vor allem aber hat man das Museum noch nie so eindrucksvoll erleben können. ...
Ja, im MKK ist der Raum das Kunstwerk. Etwa bei den Werken von Marco Casentini mit ihren leuchtenden Farben und rechteckigen Mustern. Denn die Bilder wachsen über den Rahmen hinaus. Casentini bamalt auch noch die Wand um die Bilder herum, allerdings anders, großflächiger, polygonaler. Oder die Künstler kreieren gleich selber einen Raum im Raum. So etwa Marleen Sleeuwits, die Bilder von den Neonleuchten des Museums auf Fotos zeigt, umgeben von eben diesen Neonleuchten. Wer in den Raum tritt, verirrt sich im Reich der Leuchtstoffröhren, die Decke des Museums wird zu Wänden, das Lichtkonzept zur Kunst.
Ganz ähnlich wirkt der einzige weitgehend wirklich hermetisch abgeschlossene Raum des Museums, den Esther Stocker zu einer auf das Wesentlichste reduzierten Welt gestaltet hat: der ultimative Traum der Konkreten Kunst. Ein Universum, das nur aus rechtwinkligen Gebilden in Weiß und Schwarz besteht. ...
Aber es gibt noch viel mehr zu entdecken ...  . So hat Annegret Bleisteiner die vielleicht unattraktivste Örtlichkeit des Hauses in eine kleine Wunderwelt verzaubert: die Toilette. Alles, was KInder fasziniert ist hier in neuer Ordnung aneinandergereiht, aufgehängt und angebracht, Miniaturschienen, Tücher, Spielzeug, Bücher, Gießkannen, Figuren. Ein Märchenreich des Kinderkonsum-Irrsinns: Verrückt-schön und jenseitig der sonstigen Strenge der Konkreten Kunst. ..."
 
 
About Us.
Junge Fotografie aus China
Alexander-Tutsek-Stiftung
Karl-Theodor-Straße 27
München
Di bis Fr 14 bis 18 Uhr
Bis 29. Januar 2021
 
"... Jedes fotografische Werk erzählt von dem, was die Menschen in den vergangenen 20 Jahren in China erfahren und erlitten haben, was sie angesichts des rasanten Wandels bewegt, wie dieser auf sie wirkt. In ihren Arbeiten blicken die Fotografinnen und Fotografen zurück und in die Gegenwart. In Metropolen ebenso wie auf dem Land. Die 14 Künstlerinnen und Künstler - teils arriviert und mit Ausstellungen von London bis New York vertreten, teils im Westen völlig unbekannt - konfrontieren traditionelle ästhetische Darstellungsformen mit modernen Perspektiven und künstlerischen Mitteln.
Erst nach der Kulturrevolution (1966-1976) entwickelte sich in China die Fotografie weg von der reinen Gebrauchsfotografie, von Dokumentation und Agitation für die Partei. Der Aufschwung kam in den 80er und 90er Jahren, als es auch möglich wurde, Fotografie als eigenständige Kunstform zu studieren. Die experimentelle Fotografie blühte. Von diesem Wandel und neuen Freiheiten erzählen die Arbeiten ebenso. ...
Zu sehen sind auch Arbeiten des Künstlerpaares Rong-Rong&Inri, in denen sie die zweimalige Zerstörung ihres Wohnraumes durch die Politik und Stadtplanung dokumentieren: die Pekinger Avantgarde-Künstlerkolonie East Village 1994 und nach 2003 Liulitun.
Andere Fotokünstler wie Adou (1973 in Sichuan geboren) suchen die Ursprünglichkeit ländlichen Lebens in abgelegenen Provinzen Westchinas. Und zeigen dabei - oft in Schwarz-Weiß - die Armut fernab der Metropolen."
(Donaukurier v. 04.09.2020, Nr. 205, S. 15)
 
 
 
 

Amish Quilts meet Modern Art
tim Textil- und Industriemuseum
Augsburg
Provinostraße 46
Di bis So 9 bis 18 Uhr
verlängert bis 24.1.2021
 
Unter dem Titel "Muster des Lebens" schreibt der Donaukurier v. 23./24. Mai 2020, Nr.: 118, S. 19:
"... In 14 Stationen werden die Steppdecken - alle zwischen 1890 und 1950 entstanden - in Beziehung gesetzt zu Kunstwerken moderner Künstler. ... Die Grundsätze der aus täuferisch-protestantischen europäischen Gemeinschaften hervorgegangenen Amish People Nordamerikas geben das Sujet vor für den nun entstehenden Dialog zwischen Kunsthandwerk und Kunst. Das zentrale Leitmotiv ist die Ordnung, dem folgen Armut, Demut, Arbeit, Gemeinschaft und Friedfertigkeit. Die Kunstwerke setzen den dialektischen Gegenpart - im ersten Bereich definiert der Belgier Quinze das Chaos als positiv.
     Und Winfried Gaul (1928 - 2003) sah Ordnung anders als die Amishen: 'Die Anfänge des Informel standen ganz im Zeichen von Revolte und Anarchie. Wir rebellierten gegen den Versuch, die alte Ordnung wieder zu etablieren, die sich als unfähig erwiesen hatte, die Menschheit gegen den Braunen Terror zu schützen. Als Maler protestierten wir gegen die Komposition, gegen Zeichnung, gegen die Figur, gegen das Abbild, gegen das Gewohnte und Tradierte.' Diese Abkehr vom Abbild wiederum findet sich bei den Amishen - religiös begründet.
Es geht um Grundfragen menschlichen Daseins. Auf die die Amishen im 17. Jahrhundert ihre bis heute mit wenigen Veränderungen geltenden Lebensregeln entwickelten und die sich im Kunsthandwerk der Quilts materialisieren.
     Die 50 Kunstwerde der Moderne nehmen Themen wie Klimawandel, Krieg, Schnelllebigkeit der Konsumgesellschaft und ihren Einfluss auf Individuum, Umwelt und Natur selbstreflexiv, kritisch und kreativ auf ...
So gibt diese Ausstellung nicht nur Einblicke in faszinierendes Kunsthandwerk und in eine exquisite Auswahl moderner Kunst, sondern regt zum Nachdenken an, wie wir als Gesellschaft miteinander leben und künftig leben wollen."