Über den Tellerrand

 
Carlos Cruz-Diez
Color in Motion
Museum für Konkrete Kunst
Ingolstadt
Bis 16. September
 
 
Unter der Überschrift "Betrachter inmitten flackernder Farben
Der Op-Art-Künstler Carlos Cruz-Diez verwirrt in Ingolstadt den Sehsinn"
schreibt die FAZ vom 7. Mai 2018:
"Das meistfotografierte Kunstwerk Venezuelas befindet sich im Flughafen von Caracas. Es ist die Bodenarbeit "Couleur Additive" von Carlos Cruz-Diez, eine gigantische Komposition ineinander verzahnter, auch die Rückwand der Haupthalle überziehender Farbstreifen, vor der unzählige Menschen ihr Abschiedsbild machen. Jetzt, während der Massenflucht aus dem von Präsident Maduros Diktatur abgewirtschafteten Land, geben diese Fotos dem Werk einen melancholischen Akzent. Eigentlich kommt es, wie das gesamte OEuvre des Künstlers, von Grund auf heiter daher, erinnert nun aber, entstanden 1974, schmerzlich an Venezuelas beste Jahre in Wohlstand und Demokratie. Cruz-Diez will Kunst auch außerhalb der Museen und jedermann zugänglich machen; 'Kunst ist Kommunikation', sagt er und realisierte in vielen Städten der Welt seine chromatischen Eingriffe im öffentlichen Raum. Ein Fußgängerüberweg in Pink, Gelb und Grün führt derzeit in Ingolstadt zum Eingang des Museums für Konkrete Kunst, das Cruz-Diez die erste Retrospektive in Deutschland seit 1998 widmet.
          Ihr Besuch wird zum spannenden Wiedersehen mit der Op-Art, zu deren Hauptvertretern der Venezolaner gehört: Da wechseln Reliefs aus farbigen, transparenten Lamellen beim Entlanggehen die Couleurs. Bilder, deren Streifensystem definitiv nur Weiß, Schwarz und Blau aufweisen, verströmen aus einigem Abstand eine zartgelbe Aura. Und noch extremere Streiche spielen uns unsere Sehorgane, wo sie angesichts einer aus Rot, Blau, Grau und Schwarz gebauten Bildserie die Farben des Regenbogens leuchten lassen.
         Nach ihrer hohen Zeit in den sechziger und siebziger Jahren verschwand die Op-Art bis vor ein paar Jahren in der Versenkung; vielleicht wollten die Augen ausruhen von all den optischen Täuschungen, dem kirremachenden Flimmern und Vibrieren dieser Kunstrichtung, die aber, wie Cruz-Diez sie begreift, mehr will als faszinierende Spielchen mit der Wahrnehmung treiben. Selbige dienen ihm als Mittel, den Betrachter interaktiv am künstlerischen Prozess zu beteiligen. Carlos Cruz-Diez wurde 1923 in Caracas geboren, studierte an der dortigen Kunsthochschule und arbeitete als Illustrator und Werbefachmann, bevor er sich der freien Kunst zuwandte. Mit Victor Vasarely und Cruz-Diez' Landsmann Jesus Rafael Soto wirkten bereits Protagonisten der Op-Art in Paris, als auch er sich 1960 dort niederließ. In seinem Atelier im 18. Arrondissement geht es lebhaft zu, zwanzig Personen wirbeln dort, 
darunter, nach gut lateinamerikanischer Art, viele Mitglieder seiner großen Familie. Cruz-Diez' Kreativprozess basiert auf bester Kenntnis optischer und kinetischer Phänomene sowie Regeln der Farbenlehre. Der Rest ist Rechenarbeit. Früher legte der Künstler die Daten für jedes Werk akribisch auf Karteikarten an - sein Archiv bewahrt sie allesamt -, heute sitzt der Vierundneunzigjährige dafür täglich am Computer. Die Umsetzung seiner Vorgaben aber obliegt schon immer einem Werkstatt-Team, das in feinster Präzisionsarbeit diverse Materalien, darunter Plexiglas, Folien und Farbe, händelt. Für die Ingolstädter Ausstellung entstand ein neues, mehrere Meter breites Wandbild. Um es zu erreichen, muss man aber erst mal durch ein Labyrinth aus transparenten Farbträgern, die je nach Lichteinfall und Wegwahl immer neue Farbmischungen entstehen lassen. Der reinste Zauberwald."
 

 

 
 
"L wie Land und Leute"
Landschaft und Genre in der Studiengalerie der Neuen Pinakothek
17.1. - 9.7.2018

54 Werke von Künstlern des 19. Jahrhunderts, die Bekanntes und Unbekanntes in nah und fern (neu) entdecken und in ihren Gemälden darstellen.
Die Gattungen Landschaft und Genre bestimmten im 19. Jahrhundert die Kunst, nachdem die Historienmalerei und das Porträt an Bedeutung verloren hatten. Die Darstellung von Menschen in ihrer Umgebung löste auch die arkadische oder Ideallandschaft ab. Szenen des Alltags, seien sie harter Arbeit oder der Freizeit entnommen, bestimmten die Motive.
 
Neue Pinakothek, Barer Str. 29, München
geöffnet täglich außer Di. 10-18 Uhr, Mi. 10-20 Uhr