Über den Tellerrand

 
Unter freiem Himmel
Unterwegs mit Gabriele Münter und Wassily Kandinsky
Im Lenbachhaus
München
Bis Januar 2022
 
 
 
Unter dem Titel "Fernweh nach Schönheit" schreibt die FAZ vom 11.03.2021, Nr. 59, S.12:
"... Im Münchner Lenbachhaus steht die große und tiefgreifende Neupräsentation seiner dank Gabriele Münters Schenkung einzigartigen und weltweit größten Sammlung zum Blauen Reiter bevor. Mit 1908 wird sie in dem Moment einsetzen, als Kandinsky und Münter in Murnau gemeinsam mit Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky ihre für die Entwicklung der Avantgarde bedeutende künstlerische Werkphase einleiten. Im Vorlauf nahm man im Lenbachhaus die besagten, bisher in der Kunstwissenschaft nur am Rande mitlaufenden Wanderjahre unter die Lupe. Eine ausgezeichnete Publikation entführt in diesen reisearmen Zeiten auf Touren unter freiem Himmel durch deutsche Lande, nach Holland, nach Frankreich, Österreich, Italien, sogar Tunesien, und sie schürt Vorfreude auf die Wiedereröffnung der zugehörigen Ausstellung.
 
Die Fülle von Ölskizzen, von Zeichnungen und Fotografien, viele erstmals zu sehen, überrascht mit ungezwungener Vielfalt. Wichtige Jahre des Probierens und Experimentierens tun sich auf ... Offenbar wird die Eigenwertigkeit dieser Schaffensperiode, die, vom Impressionismus beeinflusst, Natur- und Lichterscheinungen nachspürt und auf der Suche nach einer zeitgemäßen Ausdrucksform in der Malerei zur gleichen Zeit impressionismusferne Farbgebung auslotet. Zum Beispiel Kandinskys auf dunklen Karton gesetzte "Arabische Reiterei" mit weißen Turbanen und bunten, fliegenden Tüchern, die der Künstler mit scharfem Hell-Dunkel-Kontrast und leuchtend klaren Farben in mystisch romantisches Flair taucht. Bei Münter in den allerdings hier ausgesparten druckgraphischen Arbeiten. Gouachen wie diese entstehen in Tunesien, wo das Paar einen verregneten Winter verbringt, der die Stimmung nicht hebt, aber nicht am unermüdlichen Aufsaugen der fremdartigen Kultur hindert. Münter widmet eine ihrer größten Fotoserien der Altstadt mit ihren Gassen, Bögen und festlichen Bauten; sie zeigt sich fasziniert von den dort wuselnden Kindern, von den Männern und Frauen in ihren weißen Dschellabas oder auch von osmanischen Friedhöfen. ..." 
 
Diözesanmuseum Eichstätt
Sonderausstellung Wandel-Wandlung

https://www.dioezesanmuseum-eichstaett.de/sonderausstellung/kunstwettbewerb-wandel-wandlung/

 
Mind the gap.
Zwischen bekannten und neuen Räumen
Museum für Konkrete Kunst
Ingolstadt
Di bis So 10 bis 17 Uhr
verlängert bis 6. Juni 2021 
 
Unter dem Titel "Im Märchenreich der Konkreten Kunst" schreibt der Donaukurier v. 07.09.2020, Nr. 207, S. 11:
"... Die Abschiedsveranstaltung ist vor allem bunt, ironisch, überraschend und heiter. Sie zeigt nicht Kunstobjekte, sondern sie verwandelt Räume. Im besten Falle verzaubert sie den Besucher, nimmt ihn mit in eine andere Welt. Vor allem aber hat man das Museum noch nie so eindrucksvoll erleben können. ...
Ja, im MKK ist der Raum das Kunstwerk. Etwa bei den Werken von Marco Casentini mit ihren leuchtenden Farben und rechteckigen Mustern. Denn die Bilder wachsen über den Rahmen hinaus. Casentini bamalt auch noch die Wand um die Bilder herum, allerdings anders, großflächiger, polygonaler. Oder die Künstler kreieren gleich selber einen Raum im Raum. So etwa Marleen Sleeuwits, die Bilder von den Neonleuchten des Museums auf Fotos zeigt, umgeben von eben diesen Neonleuchten. Wer in den Raum tritt, verirrt sich im Reich der Leuchtstoffröhren, die Decke des Museums wird zu Wänden, das Lichtkonzept zur Kunst.
Ganz ähnlich wirkt der einzige weitgehend wirklich hermetisch abgeschlossene Raum des Museums, den Esther Stocker zu einer auf das Wesentlichste reduzierten Welt gestaltet hat: der ultimative Traum der Konkreten Kunst. Ein Universum, das nur aus rechtwinkligen Gebilden in Weiß und Schwarz besteht. ...
Aber es gibt noch viel mehr zu entdecken ...  . So hat Annegret Bleisteiner die vielleicht unattraktivste Örtlichkeit des Hauses in eine kleine Wunderwelt verzaubert: die Toilette. Alles, was KInder fasziniert ist hier in neuer Ordnung aneinandergereiht, aufgehängt und angebracht, Miniaturschienen, Tücher, Spielzeug, Bücher, Gießkannen, Figuren. Ein Märchenreich des Kinderkonsum-Irrsinns: Verrückt-schön und jenseitig der sonstigen Strenge der Konkreten Kunst. ..."