Kunstkreis Neuburg an der Donau e.V.

Über den Tellerrand

  • Hier finden Sie Hinweise über sehenswerte Ausstellungen anderer regionaler und überregionaler Organisationen.
 
 
Hannah Höch
Abermillionen Anschauungen
Im Kulturspeicher
Würzburg
Bis 4. September
 
Die FAZ vom 02.06.2022, Nr. 151, S. 9, schreibt unter der Einleitung "... Würzburg zeigt Hannah Höch als unbeirrte Erforscherin und Erfinderin neuer künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten":
"Eine Eule hält hoch in den Wolken in ihren Krallen eine Lupe auf die Erde. Diese ist winzig und steht Kopf, sodass Afrika und Europa gesüdet statt genordet sind. Die dadaistissch anmutende Collage stammt von der Erfinderin dieser fragmentierenden Technik des Auf-den-Kopf-Stellens aller Dinge höchstselbst - Hannah Höch. Entstanden ist sie wohl kurz nach der Kapitulation am 8. Mai 1945. ...
Höchs zweite, andere, wütendere Sicht auf das, was zwolf Jahre lang an Irrsinn in Deutschland und der Welt geschah, verkörpert sich in dem Bild 'Das Ende' von 1945. Die lange Jahre zuvor schon von Höch ausformulierte Bildwelt an merkwürdig gnomigen Wesen treibt dort stellvertretend für die deformierte Gesellschaft ihr Unwesen ...
 
Dass Florales zu Beginn eine große Rolle spielt, verwundert nicht, hatte Höch doch ihr Studium an der stark vom Jugendstil geprägten Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Berlin-Charlottenburg aufgenommen. Ab 1915 setzte sie es an der Lehranstalt des Berliner Kunstgewerbemuseums fort, um von da an - oft parallel - zwischen den Kreisen der Berliner Avantgarde des Expressionismus, von DADA, Surrealismus und der mondrianharten Abstraktion der Künstlergruppe De Stijl, mit dessen Kopf Rietveld sie befreundet war, lustvoll zu pendeln. Ihre Bilder spiegeln diese Polyfokalität, was nicht mit Beliebigkeit zu verwechseln ist. Sie ist schlicht fest davon überzeugt, es könne nie nur eine einzige richtige Sicht auf die Welt geben. Daher richten die Augen und Augengläser in den Gemälden ihre Blicke so häufig aus völlig unterschiedlichen Winkeln auf das Dargestellte im Bild oder sind ihre Collagen gleich kaleidoskopartig aufgesplittert. Alles in ihren Bildern ist Prozess und Suchbewegung, um einer Einsicht so nah wie möglich zu kommen. ...
 
Dreiundvierzig Jahre nach dem Tod dieser Seherin ins Größte und Kleinste durch dieses Zauberreich wandeln zu können, das im Verborgenen unverdrossen weitergeblüht hatte, ist nicht das geringste Verdienst dieser außergewöhnlichen Schau."
 
 
HOLZwege
Zeitgenössische Kleinskulptur aus Hölzern
Im Museum Schloss Hellenstein
Heidenheim a. d. Brenz
Bis 11. September
Di -Sa 11 - 16 Uhr
So/Fei 11 - 17 Uhr
 
Ausstellungsbroschüre:
"Die Ausstellung 'HOLZwege - Zeitgenössiche Kleinskulptur aus Hölzern' vereint rund 50 Werke von über 20 international renommierten Kunstschaffenden, welche den traditionsreichen Werkstoff Holz für die heutige Zeit interpretieren."
 
 
Jenseits von Hellas
Santiago Calatrava in der Glyptothek
In der Glyptothek
München
Bis 23. Oktober
Di - Mi, Fr - So 10 - 17 Uhr
Do 10 - 20 Uhr
 
Einleitung zu einem Interview in der FAZ vom 27. 06. 2022, Nr. 146, S. 11: Die Antike als Lehrmeisterin der Moderne: Der spanische Architekt Santiago Calatrava stellt in München seine Interpretation der berühmten Giebelskulpturen vom Tempel der Aphaia auf der Insel Ägina aus.
 
Auszug aus dem Interview:
"...
Nun präsentieren Sie hier Ihre Plastiken im Dialog mit antiken Bildwerken, was reizt Sie an dieser Situation?
Ich verbeuge mich vor dem Genie der Antike und ihren ewigen gültigen Werten. Etwa ihr Sinn für Gleichgewicht und Ungleichgewicht, ihre Auffassung der menschlichen Skulptur, das sind Konstanten.
...
Ihr bildhauerisches Werk zeigte bisher stark abstrahierte Naturzitate. Hier sehen wir nun figurative Plastiken.
Man sieht das Drama bei den Aegineten auch in den Gesichtern. Ich psychologisiere nicht. Köpfe sind nur angedeutet. Aber Arme, Beine, Rumpf sind so angeordnet, dass sie die Idee des Dramas weitergeben. Zentral ist die Problematik von Balance und Disbalance. Rodin sagte, dass es nicht die Aufgabe der Kunst sei, die Natur zu kopieren, sondern sie als Lehrer zu begreifen."
..."
 
 
Fujiko Nakaya
Nebel Leben
Haus der Kunst
München
Mo, Mi bis So von 10 bis 20 Uhr
Do bis 22 Uhr
Bis 31. Juli
 
"Die japanische Künstlerin Fujiko Nakaya schafft betörende Skulpturen aus Wasserdampf. Nun verwandelt sie das Haus der Kunst in München in einen Ort, an dem alles in ständiger Veränderung ist." schreibt die Donauwörther Zeitung (Nr.: 90, S. 14 vom 20.04.2022) im Untertitel und weiter:
"... War da nicht mal kühler Marmor? Dominierten nicht die unsäglichen Ausmaße, und hat man sich in diesen Hallen nicht immer auch wie eine kunstbeflissen umherirrende Ameise gefühlt?
... Fujiko Nakaya unterwandert die steinharte Realität - sanft, sinnlich, betörend. Und ausnahmsweise im Inneren eines Gebäudes, denn der bald 89-jährigen Künstlerin ist in München die erste umfassende Retrospektive außerhalb Japans gewidmet. ...
 
Wenn man etwas vernimmt, dann die zarte Gischt, die sich über dem eigens im Ostsaal eingebauten Bassin erhebt und die Besucher umhüllt, verbirgt und im Begriff des Sinkens wie Wanderer im Nebelmeer erscheinen lässt. Caspar David Friedrich könnte gar nicht anders als in Anetracht von "Munich Fog (Fogfall)" - so der Titel - in Verzückung zu geraten. Zumal auch noch das mächtige Tor zum Osten hin geöffnet ist und den Blick auf den Eisbach freigibt, auf dem es die Surfer mit kraftvollen und eher gefährlichen Wellen zu tun haben. Sofern nicht vom Dach des Kunsttempels eine weitere Wolke in die Tiefe schwebt und für einen ausgiebigen Moment die Aussicht verdeckt und zugleich etwas offenbart, das man sonst nicht sehen kann: den Wind und jede noch so kleine Bewegung der Luftmassen. ...
 
In der Ausstellung sind neben drei 'realen' Nebelskulpturen eine Reihe dieser wolkigen Arbeiten auf Videos zu verfolgen - etwa um Philipp Johnsons legendäres 'GlassHouse' von 1949 in Connecticut, dessen elegante Transparenz durch den Dunst quasi as absurdum geführt wird. Oder in Tokios Showa Kinen Park, wo im Wechsel mit den grünen Hügeln und Bäumen hochästhetische Bilder entstehen. ..."
 


Auto Land Scape
Fotografien von Michael Tewes
Verkehrszentrum des Deutschen Museums
Am Bavariapark 5, München
täglich 9 - 17 Uhr
bis 31. Oktober
 
Zur Ausstellung schreibt der Donuakurier vom 27.04.2022 unter dem Titel "Inspiration Autobahn":
"... Der von manchem vielleicht erwartete mächtige Beton der vielverzweigten, langen Staße ist nicht allein im Fokus jenes "Autobahn-Native", als der sich Tewes selber gern bezeichnet. Viel mehr hat der Fotograf in seinem sechsjährigen Projekt Details über, unter, neben den circa 13 200 Kilometer langen, verzweigten Verkehrsadern aufgespürt. 
Kühe grasen etwa unter einer auf monumentalen Betonstützen ruhenden Talüberquerung. ...
Freilich fehlen auch bunte Sportautos auf einem Tranporter nicht. Schnelle gut aussehende neue Autos auf einem eher alten Transport-Auto, das sie über die Autobahn kutschiert! Ist das nicht paradox? Es ist nur der Auftakt zu Tewes meist tiefsinnigen Bildkompositionen. Und auf den ersten Blick so lustig wie das Wäldchen, das sich unter den Trassen wegduckt. Das Missverhälnis von Natur und Autobahn zeigen auch andere - freilich auch kurios wirkende Motive. Dazu gehört etwa die sonderbare höhlenförmige Betonröhre unter einer Fahrbahn. Sie soll Fledermäusen als Heimstatt dienen und das Dies- und Jenseits (der Autobahn) verbinden. ...
Und immer wieder kontrastiert Tewes weitläufige anmutige Landschaften mit nach gerade bedrohlich wirkenden Beton-Details, die oft futuristisch wirken. ...
So lenkt er den Blick auf ein hybrides Objekt - das gleichzeitig Symbol ist für Fortschritt und Mobilität, Ingenieurbaukunst und Umweltzerstörung, individuelle Freiheit und Verkehrskollaps."